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Der Freigeist I-VI

Hannes Schumacher

Ausgehend vom philosophischen Selbstmord des 19. Jahrhunderts und vom politischen Massenmord des 20. Jahrhunderts steht der postmoderne Mensch am Scheideweg, auf der Suche nach sich selbst. Entweder er kehrt zur Religion zurück oder er verneint sie vollständig, allerdings auf Kosten der Kunst und Philosophie.

Im Grunde weiß er aber, dass ihn keiner dieser Wege an einen Ort führt, an dem er sein will: Er will frei sein. Und weil er nur noch vor die Wahl zwischen Club oder Kloster gestellt wird, kann er nicht anders, als sich seinen eigenen Weg zu bahnen, durch die Friss-oder-stirb-Dualismen seiner selbst­verschuldeten Sinnlosigkeit.

Hardcover
168 Seiten, 19,5cm x 12,5cm
ISBN: 978-3-9816351-0-2
Erscheinungsdatum: 01.03.2014

Paperback
172 Seiten, 17cm x 11cm
ISBN: 978-3-9816351-4-0
Erscheinungsdatum: 15.12.2015

e-book
epub, mobi & pdf
ISBN: 978-3-9816351-1-9
Erscheinungsdatum: 01.03.2014

 

Aph. 230 — Excerpt from Der Freigeist I-VI
Als ich in den Gebirgen Bulgariens unterwegs war, hatte ich ein Gespräch mit einem Stein: »Mir ist alles einerlei! Stoße mich, werfe mich, breche mich!«, sprach er mit tiefer Stimme. »Aber würde ich dir nicht Wehe tun, wenn ich dich würfe? dich nicht töten, wenn ich dich bräche?« Er verstummte. Nach einer Weile der Ruhe fragte er mich, was das denn sei, zu leiden, zu sterben. Ich erzählte ihm von meinem Willen, dass ich auf ihn achtgeben müsse, um dem Leid zu entgehen und Freude zu finden. »Aber du – das bin doch ich«, staunte er. So erzählte ich ihm von der Welt, von der Vielfalt der Einzeldinge, von der Schönheit des Lebens. »Ich bin ein Mensch und du bist ein Stein«, schloss ich ab. »Ich bin kein Stein«, entgegnete er. »In deiner Sprache würdest du mich wohl ›Chaos‹ nennen, oder ›das Eine‹.« So wurde mir klar, dass er nicht differenzierte, dass er die Grenzen nicht sah, die wir Menschen uns einbilden. Ein Gefühl der Einheit überkam mich, fast schämte ich mich, ihn einen Stein genannt zu haben. »Nichts für ungut«, sprach er mit sanfter Stimme. »Es muss schön sein, sich eine Welt aufzuspannen und in ihr zu leben. Diesen ›Willen‹ von dem du sprichst, kenne ich nicht. Es muss schön sein, wenn er sich ändert, wenn er mal gut, mal schlecht ist. Du solltest dich um ihn kümmern.« Ein Lächeln legte sich auf meine Lippen. Belebt grüßte ich den Stein und ging meines Weges.
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